Alkohol, Geschwindigkeit und Ablenkung – Polizeiprojekt zur Verkehrssicherheit
Am 29. Januar 2026 erlebten die Klassen EG 13 und SGG 13/1 einen Schultag der etwas anderen Art an der Maria-Merian-Schule. Statt Matheformeln oder Biologieunterricht stand das eigene Überleben im Fokus: Die Polizei war zur Verkehrsprävention zu Gast – und hatte eindrucksvolle Übungen im Gepäck.
Vier Polizisten und eine Polizistin verwandelten den Raum in einen Übungsparcours, der es in sich hatte. An vier Stationen konnten die 18 Schülerinnen am eigenen Leib erfahren, wie schnell die Sinne versagen:
- Der Rauschbrillen-Parcours: Was nüchtern ein Kinderspiel ist, wurde mit der „Promille-Brille“ zur Herausforderung. Kurvenlaufen? Rückwärtsgehen? Das Vertauschen von Stäben in Halterungen?
- Pods-Wettstreit: Zwei Schülerinnen (und sogar die Lehrerinnen!) traten gegeneinander an, um leuchtende Pods mit dem Fuß zu erwischen. Mit Rauschbrille ein Problem – man tritt schlichtweg daneben, weil das räumliche Sehen komplett aussetzt.
- Fahrsimulator: Hier wurde es technisch. Während die Schülerinnen versuchten, eine virtuelle Strecke zu bewältigen, sorgten die Polizeibeamten gezielt für Ablenkung. Einmal nüchtern, einmal mit simulierten 1,1 Promille. Die Folge? Übersehene Schilder und heftige Crashs.
- Spiegelstation: Wer dachte, einfaches Nachzeichnen von Formen sei leicht, wurde an der Spiegelstation eines Besseren belehrt – Koordination ist unter erschwerten Bedingungen Millimeterarbeit.
Nach dem Spaß folgte die weniger spaßige Realität im Vortrag der Polizeibeamt*innen. Die Statistik spricht hier eine deutliche Sprache: Obwohl junge Fahranfänger nur 8 % der Bevölkerung ausmachen, stellen sie 17 % der Verkehrstoten. Die Beamten machten unmissverständlich klar, woran das liegt:
- Geschwindigkeit & Risikoeinschätzung: Oft ist es der Wunsch, „cool“ zu sein oder ein falsch eingeschätztes Risiko. Ein extremes Beispiel aus der Region: Der aktuelle Prozess um ein Straßenrennen in Ludwigsburg, bei dem jemand mit 140 km/h statt der erlaubten 40 km/h unterwegs war.
- Ablenkung – Der Sekunden-Blindflug: Ob Handy, TikTok, die Suche nach dem Lipgloss im Fußraum oder das Einstellen der E-Shisha (was übrigens absolut verboten ist!): Ablenkung tötet. Schon gewusst? Wer bei 50 km/h nur 5 Sekunden auf sein Handy schaut, fährt 70 Meter im Blindflug. Bei 100 km/h sind es bereits 140 Meter – das ist länger als ein Fußballstadion! Ein makabres Video mit dem Titel „Wegzaubern“ verdeutlichte das: Ein Fußgänger mit Kopfhörern und Handy wird von einem Auto erfasst und ist buchstäblich „weggezaubert“ – gesponsert wurde das Video von einem Bestattungsinstitut.
- Alkohol & Drogen: Die Regeln sind klar: In der Probezeit oder unter 21 Jahren gilt 0,0 Promille. Wer denkt, mit dem Fahrrad sicher zu sein: Ab 1,6 Promille droht die MPU („Idiotentest“) – und damit ist auch der Autoführerschein weg. Besonders unterschätzt: Der Restalkohol am nächsten Morgen (der Körper baut nur ca. 0,1 Promille pro Stunde ab) und die lange Nachweisbarkeit von Cannabis.
Ein bleibender Eindruck
Die gezeigten Bilder ließen niemanden kalt. Ob es das Loch in der Windschutzscheibe war, durch das ein nicht angeschnallter Kopf geschlagen war, oder Röntgenbilder von zertrümmerten Beinen, die beim Aufprall lässig auf dem Armaturenbrett lagen – die Botschaft kam an.
Zum Abschluss gab es mit einem Clip von „Kesslers Knigge“ über zehn Drogen, die man am Steuer besser lassen sollte, noch einmal einen humorvollen, aber deutlichen Rausschmeißer.
Das Fazit der Schülerinnen: Ein intensiver Tag, der gezeigt hat, dass Sicherheit nichts mit Glück, sondern mit Verantwortung zu tun hat. Wir bedanken uns herzlich beim Team der Polizei für diesen wichtigen Einblick!
Bilder: Dorothee Ruoff
Text: Sara Helfmann





