Pazifist im Faulpelz

SchülerInnen der Beruflichen Gymnasien Waiblingen spielen Dürrenmatt-Komödie

Einen vergnüglichen und kurzweiligen Abend bescherte am 11. Juli 2018 der Literatur- und Theaterkurs unter der Leitung von Birgit Kaufmann dem Publikum im Berufsschulzentrum Waiblingen. Fünf SchülerInnen der Wirtschaftsgymnasiums der Kaufmännischen Schule Waiblingen und acht SchülerInnen des Sozial-und gesundheitswissenschaftlichen Gymnasiums der Maria-Merian-Schule hatten seit Beginn des Schuljahres intensiv gearbeitet und geprobt, um die Komödie „Romulus der Große“ von Friedrich Dürrenmatt auf die Bühne zu bringen.

Im Mittelpunkt der 1949 uraufgeführten „ungeschichtlichen historischen Komödie“ steht Kaiser Romulus (Jan Gerner), der letzte Herrscher des römischen Weltreichs. Romulus reicht das Wasser bis zum Hals, denn sein Staat ist marode, eine Horde wilder Germanen steht vor der Tür und droht die Herrschaft zu übernehmen. Doch was macht Romulus? Nichts. Lieber kümmert er sich um seine Hühnerschar, über deren Legetätigkeit er sich täglich von seinem Kammerdiener Pyramus (Viktoria Siemens) Bericht erstatten lässt. Auch die Appelle seiner Frau Julia (Rebecca Häußermann), des Innenministers Tulllius Rotundus (Timna Ade) und des Kriegsministers Mares (Dafina Mehmeti), des um Asyl suchenden oströmischen Kaisers Zeno (Merve Becer) oder der Bericht des vom Kriegsgeschehen zutiefst erschöpften Boten Spurius Titus Mamma (Marvin Stöhr) reißen Romulus nicht aus seiner Lethargie. Selbst das Angebot des Hosenfabrikanten Cäsar Rupf (Ionnis Tsolakis), den maroden Staat zu übernehmen, schlägt Romulus ab. Seiner Tochter Rea (Lea Gutierrez Lange), die Cäsar Rupf im Gegenzug zur Frau nehmen will, verbietet der Kaiser, aus Vaterlandsliebe auf eine Ehe mit ihrem geliebten Ämilian (Simon Tzellos) zu verzichten. Dass der Kaiser mit seinem Verhalten durchaus einen Plan verfolgt, wird ersichtlich, als der Germanenführer Odoaker  (Nicole Klimt) mit seinem Neffen (Rafael Poplawski) Rom erreicht: Das römische Reich soll gemeinsam mit Romulus untergehen, da nur so die Menschheit vor weiteren in seinem Namen begangenen Verbrechen verschont werden könne. Allein sein Opfer ist umsonst, da sich Odoaker als Gleichgesinnter entpuppt, nur widerwillig das schwere Erbe Romulus‘ antritt und diesen in Rente schickt.

Die knapp zweistündige Vorführung meisterten die Schüler trotz des anspruchsvollen Textes mit Bravour. Souverän und mit viel Freude spielten sie ihre Rollen und wurden am Ende vom Publikum mit viel Zuspruch und großem Beifall bedacht.

Die Inszenierung entstand im Rahmen des Wahlfachs „Literatur und Theater“, welches in den Kursstufen der gymnasialen Oberstufe zweistündig unterrichtet wird. In diesem Fach setzen sich die SchülerInnen intensiv mit literarischen Texten und Theater auseinander, lernen die praktische Theaterarbeit kennen und erproben unterschiedliche theatrale Ausdrucksformen.