Fakten statt „Fake News“ über Flucht

Schülerin des Berufskollegs der Maria-Merian-Schule organisiert Informationsveranstaltung über Geflüchtete

„Dieses Islamgesindel muss rauß aus Deutschland. Sie werden unsere Kultur, unser geordnetes Leben, unsere Sitten und Grbräuche und unsere Jugend zerstören. Sie werden die jungen Mädchen betö, sie dann später zu Grunde richten und versklaven. Rauß mit diesem Unmenschen!“ [Hate Posting in einem sozialen Netzwerk]
Rassistische Hetze und Gewaltaufrufe wie diese sind in sozialen Medien leider an der Tagesordnung. Vorurteile gegen Geflüchtete zu widerlegen und „Fake News“ mit Fakten zu konfrontieren sind die Ziele einer Informationsveranstaltung, zu der Joy Möhrmann aus der Klasse 1BKFHB am 9. April 2019 in die Maria-Merian-Schule geladen hat. Der Event fand im Rahmen des Fachs Projektarbeit statt, in welchem die SchülerInnen ein frei wählbares Thema bearbeiten. „Ich will einen Impuls geben zum Umdenken“, sagt Joy, da sich gerade junge und wenig informierte Menschen von solcher Stimmungsmache und Falschmeldungen beeinflussen lassen.
„Flüchtlinge können sich Smartphones leisten, die für viele Deutschen unerschwinglich sind.“ Joy greift in ihrem Vortrag typische Vorurteile gegen Geflüchtete wie dieses auf und widerlegt solche Klischees: Meist wurden die Smartphones bereits in der Heimat erworben und zudem sind die Geräte häufig das einzige Mittel, um in Verbindung mit der Familie und Freunden zu bleiben. Auch den Vorwurf, dass die Geflüchteten eh nicht arbeiten, sondern lieber auf Kosen des deutschen Staates leben wollten, greift Joy in ihrem Vortrag auf und erklärt, dass nach dem Vorrangprinzip zunächst  alle deutschen ArbeitnehmerInnen, danach EU-Bürgerinnen sowie Menschen, die schon länger in Deutschland leben, Anrecht auf eine freie Stelle haben. Dann erst kommen Ausländer mit Arbeitsberechtigung, unbefristeter Aufenthaltserlaubnis oder Aufenthaltsberechtigung.
Mit „Fake News“ und Vorurteilen zu kämpfen haben auch die beiden Gäste, welche die Schülerin des Berufskollegs zu ihrem Vortrag eingeladen hat: Seif Arsalan, der einen autobiographischen Roman über seine Flucht aus Syrien geschrieben hat, und Hannes Haas von „Sea Watch e.V.“, einem Verein für Seenotrettung. Der 28-Jährige, der bereits dreimal als Koch an Rettungsaktionen im Mittelmeer beteiligt war, stellt in seinem Vortrag klar, dass „Sea Watch“ nicht mit Schleusern zusammenarbeitet und der Verein auch kein Geld für seine Arbeit bekommt. In seinem Vortrag berichtet der Lehramtsstudent von oftmals gefährlichen Aktionen, welche die Mitglieder von „Sea Watch“ auf sich nehmen, um Menschenleben zu retten.
Die waghalsige Fahrt über das Mittelmeer auf sich genommen hat Seif Arsalan, um vor dem Assad-Regime in Syrien zu fliehen. In der Maria-Merian-Schule liest der junge Mann, der aus Sorge um seine Verwandtschaft in Syrien unter einem Pseudonym schreibt und seinen richtigen Namen lieber nicht veröffentlichen möchte, aus seinem Roman „Aus Syrien geflüchtet“. „Ich mag es überhaupt nicht, wenn man mich als Flüchtling bezeichnet“, sagt er in einem Interview. „Ich weiß, dass ich ein Flüchtling bin, ich brauche niemand, der mir noch mal sagt: Du bist ein Flüchtling. Mit dem Buch will ich auch das vorbelastete Bild der Flüchtlinge korrigieren: Hey Leute, guckt mal, ein Syrer hat ein Buch geschrieben. Das ist besonders an die Leute gerichtet, die immer sagen, dass wir nichts draufhaben.“ Der heute  21-Jährige musste mit seiner Mutter aus seiner Heimatstadt Duma in Syrien über den Libanon in die Türkei fliehen, nachdem sein Bruder ins Visier des Assad-Regimes geraten war. Im Dezember 2015 kam Seif mit seiner Mutter in Deutschland an und lebte zunächst in einer Unterkunft in Heidelberg, kam dann nach Villingen-Schwenningen und schließlich nach Winterbach. Inzwischen besucht er in Schorndorf ein Gymnasium und macht bald sein Abitur. Sein Roman „Aus Syrien geflüchtet“ ist erschienen beim Verlag an der Ruhr und kostet 6,50 Euro.

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