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Anleitertreffen Altenpflege

SEI DA – Auf die richtige Haltung kommt es an


Susanne Haller, Referentin der Kübler-Ross-Akademie (Hospiz Stuttgart), referierte an der Altenpflegeschule der Maria-Merian-Schule zum Thema „hospizliche Haltung in der Palliativpflege“.

              
„Kann man Haltung lehren?“, fragte Susanne Haller vom Hospiz Stuttgart und setzte damit das erfolgreiche Modell fort, den Austausch zwischen der Maria-Merian-Schule und den Pflegeeinrichtungen durch einen Fachvortrag zu ergänzen.
Jedes Jahr im Herbst lädt die Maria-Merian-Schule die Anleiterinnen und Anleiter, die in den Einrichtungen der stationären und ambulanten Pflege die angehenden Pflegekräfte ausbilden, zu sich ein. Susanne Haller sprach in diesem Rahmen über hospizliche Haltung in der Palliativpflege. Die Qualität der Arbeit im Hospiz hänge zu 90 Prozent von der Haltung der Mitarbeitenden ab, nur zu 10 Prozent von deren Wissen, erklärte Haller in Anlehnung an Derek Doyle (Palliative care). Das Wissen etwa um Schmerzmedikation werde also nur dann wirklich fruchtbar sein, wenn es mit der richtigen Haltung verbunden sei. SEI DA – dieses Akronym buchstabierte Haller in ihrem auf Dialog ausgerichteten Vortrag mit den Zuhörenden aus. So könne zum Beispiel S für Sensibilität stehen oder für Sorgsamkeit, der letzte Buchstabe A für Achtsamkeit, Authentizität.

A kann aber auch für die Angst stehen, den der im Hospiz allgegenwärtige Tod auslöst. Wie vermag man professionell mit dieser Angst umzugehen? Durch Reflexion etwa im Rahmen von Supervision gelte es, professionelle Distanz zu gewinnen. „Das ist nicht mein Kind“, „Nicht ich sterbe“ – solche Sätze könnten dazu beitragen, die hospizliche Haltung aufzubauen, so dass die großen Herausforderungen des Berufsalltags bewältigt werden könnten.
Die Distanz sei immer dann besonders gefährdet, wenn die Pflegekraft in ihrer eigenen Biografie berührt sei, etwa weil die Sterbende gleichaltrig ist wie sie selbst. In so einem Fall auf sich zu hören und eine Kollegin, einen Kollegen um Ablösung zu bitten, sei professionell und diene der Erhaltung der eigenen Kraft. Wichtig seien auch hier Vorbilder, Anleiterinnen und Anleiter sowie Lehrkräfte, die diese Haltung selbst verkörperten und mitgeben könnten.
Auch die Ressourcen des Teams gelte es zu nutzen. Pflegekräfte aus anderen Kulturkreisen etwa vermittelten oft einen unverkrampfteren Umgang mit dem Tod als es bei uns der Fall sei, wo der Tod aus dem alltäglichen Familienleben oft verbannt ist.
Am Ende des Vortrags war es ganz still im Raum. Hallers Worte klangen noch lange nach und auch in den Tagen nach dem Anleitertreffen suchten viele der Lehrkräfte immer wieder das Gespräch miteinander.

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